Ein Li-Ion-Akku wird nicht einfach „an Strom gehängt“. Er wird nach einem festen Profil geladen: erst mit konstantem Strom, dann mit konstanter Spannung bis genau 4,2 V pro Zelle, und am Ende schaltet die Elektronik ab. Jeder brauchbare Schaltplan zum Laden von Li-Ion-Akkus setzt genau diese Logik um. Dazu kommt eine Schutzschaltung, die bei Fehlern trennt. Hier sehen Sie, aus welchen Blöcken so eine Schaltung besteht, wie Sie ein fertiges Lademodul richtig verdrahten, welche Werte Sie nie überschreiten dürfen und woran Sie erkennen, dass ein Akku nicht mehr geladen werden sollte.
Kurz gesagt
- Li-Ion-Zellen werden im CC/CV-Verfahren geladen: Konstantstrom bis 4,2 V, danach Konstantspannung, Abschaltung bei etwa 10 % des Ladestroms.
- Die Ladeschlussspannung ist der kritischste Wert im Schaltplan. Sie muss auf etwa ±1 % genau stimmen, sonst altert die Zelle schnell oder wird gefährlich.
- Ladegerät und BMS sind zwei getrennte Funktionen: Der Lader formt den Ladestrom, die Schutzschaltung trennt im Fehlerfall. Das eine ersetzt das andere nicht.
- Für eine einzelne Zelle ist ein fertiges Lademodul mit Schutzschaltung (z. B. mit dem TP4056) für Bastler die sicherste Lösung. Den Lader selbst aus Einzelteilen aufzubauen ist riskanter.
- Ein aufgeblähter, heißer oder rauchender Akku wird nie mehr geladen. Er wird isoliert und fachgerecht entsorgt.
Inhaltsverzeichnis
- So lädt eine Li-Ion-Zelle: das CC/CV-Verfahren
- Die Kennwerte, die jeder Schaltplan einhalten muss
- Der Grundschaltplan: fünf Funktionsblöcke
- Praxisbeispiel: TP4056-Modul mit Schutzschaltung verdrahten
- Ladegerät und BMS: zwei verschiedene Aufgaben
- Mehrere Zellen: Reihe, parallel und Balancing
- Typische Fehler in selbst gebauten Ladeschaltungen
- Wann Sie einen Akku nicht mehr laden dürfen
- Unsere Sicht: lieber fertig schützen als selbst riskieren
- Passende Akkus und Testgeräte bei Akkuplus
- Häufige Fragen
- Quellen
So lädt eine Li-Ion-Zelle: das CC/CV-Verfahren
Bevor Sie einen Schaltplan lesen oder zeichnen, sollten Sie wissen, was die Schaltung leisten muss. Li-Ion-Akkus vertragen weder eine dauerhaft anliegende Überspannung noch eine Erhaltungsladung, wie man sie von Blei- oder NiMH-Akkus kennt. Fachartikel beschreiben deshalb ein zweistufiges Ladeprofil aus Konstantstrom und Konstantspannung. Der Lader liefert zuerst einen konstanten Strom, bis die Zelle ihre Zielspannung von 4,2 V erreicht. Dann hält er diese Spannung und beendet die Ladung, sobald der Strom auf etwa ein Zehntel des eingestellten Maximalwerts gesunken ist.
In der Praxis ergeben sich daraus vier Phasen, die ein guter Lade-IC automatisch durchläuft:
- Vorladung (Precharge): Ist die Zelle stark entladen, wird sie zunächst nur mit einem kleinen Strom angehoben. Das schont eine Zelle, die unter ihre Mindestspannung gefallen ist. Gleichzeitig zeigt sich, ob sie überhaupt noch Ladung annimmt.
- Konstantstromphase (CC): Der eingestellte Ladestrom fließt, die Zellspannung steigt langsam an. In dieser Phase wird der Großteil der Kapazität nachgeladen.
- Konstantspannungsphase (CV): Bei 4,2 V hält der Lader die Spannung fest. Der Strom sinkt jetzt von selbst, weil die Zelle sich der Vollladung nähert.
- Ladeschluss: Fällt der Strom unter die Abschaltschwelle, trennt der Lader. Eine Dauerladung danach gibt es bei Li-Ion nicht.
Die manuelle Variante dieses Verfahrens mit einem Labornetzteil beschreibt eine Anleitung auf mikrocontroller.net zum manuellen Laden von Li-Ion-Akkus. Dort wird das Netzgerät auf eine genau vorgegebene Spannung eingestellt und der Strom begrenzt. Im Prinzip ist das genau das, was ein Lade-IC automatisch erledigt. Warum die Spannung so exakt stimmen muss, erklären wir für die einzelnen Zellchemien in unserem Beitrag zur Ladespannung bei Akkus.
Die Kennwerte, die jeder Schaltplan einhalten muss
Ein Schaltplan taugt nur so viel wie die Grenzwerte, auf die er ausgelegt ist. Die folgende Übersicht zeigt die Werte, die für eine typische Li-Ion-Zelle mit 3,6 bis 3,7 V Nennspannung gelten. Maßgeblich ist immer das Datenblatt Ihrer Zelle: Es gibt Hochvolt-Varianten und LiFePO4-Zellen mit völlig anderen Werten.
| Kennwert | Typischer Wert | Bedeutung für die Schaltung |
|---|---|---|
| Nennspannung | 3,6 V bzw. 3,7 V | Rechengröße, keine Ladespannung |
| Ladeschlussspannung | 4,20 V pro Zelle | Muss sehr genau eingehalten werden |
| Abschaltstrom (Ladeende) | ca. 10 % des Ladestroms | Kriterium für „voll“ |
| Entladeschluss | ca. 3,0 V | Darunter ist kaum noch Energie zu holen |
| Schädigungsgrenze | ab ca. 2,5 V | Tiefentladung schädigt die Zelle |
| Ladetemperatur | 0 bis 40 °C | Außerhalb nicht laden |
| Entladetemperatur | −10 bis 65 °C | Außerhalb Last trennen |
Woher kommen diese Werte? Die Ladespannung von 4,2 V und das Abschaltkriterium stammen aus der oben verlinkten Beschreibung des CC/CV-Profils, dort mit einer Toleranz von ±0,7 %. In der Bastlerszene gilt die Faustregel aus dem Forum von Fingers elektrischer Welt: Li-Ion-Zellen sind spätestens bei 3,00 V leer und können bis 4,20 V geladen werden. Zur Schädigungsgrenze schreibt die Seite cool-web.de über Schaltungen für 18650-Akkus, dass eine 18650-Zelle unter etwa 2,5 V Schaden nimmt. Eine Schutzschaltung sollte deshalb schon unter 2,7 V den Strom abschalten. Die Temperaturbereiche nennt der Fachbeitrag Lithium-Ionen-Akkus: Grundlagen und Design als übliche Betriebsgrenzen.
Warum die Ladeschlussspannung so heikel ist: Schon wenige Hundertstel Volt zu viel beschleunigen die Alterung. Deutlich mehr kann die Zelle thermisch instabil machen. Ein Lader, der „ungefähr 4,2 V“ liefert, ist deshalb kein guter Lader. Umgekehrt kostet eine etwas niedrigere Ladeschlussspannung zwar Kapazität, verlängert aber die Lebensdauer. Manche laden aus diesem Grund bewusst nur bis 4,1 V.

Der Grundschaltplan: fünf Funktionsblöcke
Ob Bausatz, China-Modul oder eigenes Platinenlayout: Ein Schaltplan zum Laden von Li-Ion-Akkus lässt sich fast immer in dieselben Funktionsblöcke zerlegen. Wer diese Blöcke erkennt, kann jeden solchen Schaltplan lesen.
5 V / 12 V Lade-IC (CC/CV) Schutzschaltung Zelle
Netzteil ──[F1]──► Strom- und Spannungs- ──► Überspannung, ──► 3,7 V Li-Ion
(Eingang) regelung, R_PROG Unterspannung, (+ NTC)
Status-LEDs Überstrom, MOSFETs
▲ │
└──────────── Temperaturfühler (NTC) ◄────────┘
1. Eingang und Versorgung. Meist 5 V über USB oder aus einem Steckernetzteil. Dazu gehören eine Sicherung oder Polyfuse am Eingang und ein Elko zur Stabilisierung. Die Norm IEC 60335-2-29 für Batterieladegeräte legt Sicherheitsanforderungen für Ladegeräte im Haushalt fest. Dazu gehört auch, dass eine schwankende Versorgung den Akku nicht gefährden darf. Bei billigen Netzteilen ist genau das ein häufiger Schwachpunkt.
2. Lade-IC. Das Herzstück. Ein Linearlader wie der TP4056 oder ein Lader mit Schaltregler übernimmt das komplette CC/CV-Profil mit Vorladung und Abschaltung. Ein Widerstand am Programmierpin legt den Ladestrom fest.
3. Temperaturüberwachung. Ein NTC-Thermistor an oder in der Zelle meldet dem Lade-IC die Temperatur. Liegt sie außerhalb des erlaubten Bereichs, pausiert die Ladung. Viele günstige Module lassen diesen Eingang ungenutzt. Das wird zum Problem, wenn Sie im kalten Gartenhaus oder auf dem sonnigen Fensterbrett laden.
4. Schutzschaltung. Ein Schutz-IC steuert zwei MOSFETs in der Minusleitung. Er trennt die Zelle bei Überspannung, Tiefentladung, Überstrom und Kurzschluss. Diese Schaltung ist ein unabhängiger Wächter und kein Teil des Laders.
5. Statusanzeige. Zwei LEDs (lädt / voll) oder ein Ausgang für einen Mikrocontroller. Klingt banal, ist im Alltag aber das wichtigste Werkzeug zur Fehlersuche.
In vielen Hobby-Schaltplänen fehlt noch ein Element: eine passive Rückfallebene. Der Fachbeitrag aus der Elektronikpraxis empfiehlt für Akkupacks eine unabhängige Sicherung wie einen Polyswitch oder eine Thermosicherung, weil auch die Schutz-MOSFETs durchlegieren können. Fällt der Halbleiter leitend aus, ist die Schmelz- oder Thermosicherung die letzte Barriere.
Praxisbeispiel: TP4056-Modul mit Schutzschaltung verdrahten
Für eine einzelne 18650- oder LiPo-Zelle bauen die meisten Bastler die Ladeschaltung nicht aus Einzelteilen auf, sondern nutzen ein fertiges Modul. Am weitesten verbreitet sind kleine Platinen mit dem Lade-IC TP4056, oft in einer Version mit zusätzlichem Schutz-IC und Doppel-MOSFET. Wie einfach der Anschluss ist, zeigt das Projekt auf elektro.turanis.de zum TP4056-Lademodul: Der Akku kommt an BAT+ und BAT−, die Versorgung läuft über USB oder die Eingangspads.
Schritt für Schritt anschließen
- Modulvariante prüfen. Es gibt Platinen nur mit Lader (Anschlüsse IN+, IN−, BAT+, BAT−) und Platinen mit Schutzschaltung (zusätzlich OUT+ und OUT−). Soll der Akku auch ein Gerät versorgen, nehmen Sie die Variante mit Schutzschaltung.
- Zelle vorher messen. Prüfen Sie die Spannung mit dem Multimeter. Liegt sie deutlich unter 2,5 V, ist die Zelle tiefentladen. Mehr dazu weiter unten im Abschnitt zu typischen Fehlern.
- Akku an BAT+ und BAT− anschließen, am besten über einen Batteriehalter statt direkt an der Zelle. Direktes Anlöten erhitzt Rundzellen stark.
- Verbraucher an OUT+ und OUT− (nur bei der Variante mit Schutzschaltung). Schließen Sie den Verbraucher nie direkt an BAT an, sonst umgehen Sie den Tiefentladeschutz.
- Ladestrom anpassen. Ab Werk ist der Programmierwiderstand meist auf den höchsten Ladestrom ausgelegt. Für kleine LiPo-Zellen ist das zu viel. Welcher Widerstandswert welchen Strom ergibt, steht im Datenblatt des TP4056. Als Faustregel laden Sie mit höchstens 0,5 C bis 1 C, also eine 500-mAh-Zelle mit höchstens 250 bis 500 mA.
- Versorgung anschließen und auf die LEDs achten: Rot heißt „lädt“, Blau oder Grün heißt „fertig“.
- Die erste Ladung beaufsichtigen und die Temperatur von Modul und Zelle mit der Hand prüfen. Der Linearlader setzt die Differenz zwischen 5 V und Zellspannung in Wärme um, das Modul wird also warm. Heiß werden darf die Zelle nie.
Was das Modul kann und was nicht
Ein TP4056-Modul lädt genau eine Zelle oder mehrere parallel geschaltete Zellen. Für Reihenschaltungen (2S, 3S und mehr) ist es ungeeignet. Zwei Module in Reihe an einem Netzteil funktionieren nicht, weil ihre Massen verbunden wären. Bei parallel geschalteten Zellen dauert die Ladung entsprechend länger, denn der Strom verteilt sich.
Auch der fehlende Temperatureingang ist bei vielen Billigmodulen eine Lücke: Der TS-Pin des ICs liegt oft fest auf Masse. Wenn Sie einen eigenen Schaltplan zeichnen, sehen Sie dort einen NTC vor.
Zum Vergleich ein anderer Ansatz: Beim Lithium-Lader von GSG-Elektronik lädt der IC unter 2,9 V Akkuspannung mit Konstantstrom bis 3,1 V vor. Ist diese Vorladung nicht innerhalb von 22 Minuten abgeschlossen, bricht er ab. So eine Zeitbegrenzung ist sinnvoll, denn eine Zelle, die sich nicht anheben lässt, hat meist einen inneren Defekt.
Ladegerät und BMS: zwei verschiedene Aufgaben
Der häufigste Denkfehler beim Thema Li-Ion-Ladeschaltung lautet: „Mein Akku hat doch ein BMS, also kann ich ihn an jedes Netzteil hängen.“ Das stimmt nicht. Ein Fachartikel zur Auswahl von Lade- und Schutzschaltungen für Lithium-Ionen-Akkus trennt beides klar. Der Lader steuert das CC/CV-Profil. Die Schutzschaltung überwacht nur Grenzwerte und trennt, wenn sie überschritten werden.
| Ladegerät / Lade-IC | BMS / Schutzschaltung | |
|---|---|---|
| Aufgabe | Ladestrom und -spannung formen | Grenzwerte überwachen, notfalls trennen |
| Arbeitet | bei jeder Ladung aktiv | im Normalfall passiv, greift bei Fehlern ein |
| Typische Bauteile | TP4056, Lader mit Schaltregler, Labornetzteil | Schutz-IC, MOSFETs, Balancer, Sicherung |
| Ersatz für das andere? | Nein | Nein |
Warum die Trennung so wichtig ist: Versagt die Logik des BMS, begrenzt der Lader weiterhin Strom und Spannung. Versagt der Lader und liefert zu viel Spannung, trennt das BMS die Zelle. Erst beide zusammen ergeben ein sicheres System. Wer ein BMS als Laderegler missbraucht, lädt die Zelle bei jedem Zyklus bis an die Abschaltgrenze. Die liegt aber bewusst über der normalen Ladeschlussspannung, und das kostet Lebensdauer.
Ausführlich erklären wir das in unseren Artikeln BMS: Was ist das? und zum BMS bei 36-Volt-Akkus mit zehn Zellen. Wie so ein Bauteil in einem Fahrzeugakku aussieht, zeigt zum Beispiel ein Ersatz-BMS für den Xiaomi M365. Die Platine sitzt im Akkupack und überwacht die Zellgruppen, während das externe Ladegerät die eigentliche Ladung übernimmt.
Bei solchen größeren Akkus kommt eine rechtliche Seite hinzu. Nach der EU-Batterieverordnung 2023/1542 müssen Batteriemanagementsysteme bestimmter Kategorien Daten wie den Gesundheitszustand speichern und zugänglich machen. Laut batteriegesetz.de zur neuen Batterieverordnung betrifft das unter anderem Batterien für leichte Verkehrsmittel wie E-Bikes und E-Scooter sowie Industriebatterien. Die technischen Vorgaben zum Datenformat sollen bis 2027 folgen. Für Ihren selbst gebauten Lader an einer 18650-Zelle spielt das keine Rolle, für einen Eingriff in einen E-Bike-Akku dagegen schon.

Mehrere Zellen: Reihe, parallel und Balancing
Sobald mehr als eine Zelle im Spiel ist, ändert sich der Schaltplan grundlegend.
Parallelschaltung (1S2P, 1S3P …): Die Ladeschlussspannung bleibt bei 4,2 V, nur die Kapazität wächst. Ein Einzelzellenlader genügt. Wichtig: Verbinden Sie nur Zellen gleichen Typs und gleichen Ladezustands parallel, sonst fließen beim Zusammenschalten hohe Ausgleichsströme.
Reihenschaltung (2S, 3S, 4S …): Die Ladeschlussspannungen addieren sich. Bei 3S sind es 3 × 4,2 V = 12,6 V, bei 4S 16,8 V. Hier reicht ein einfacher Lader nicht mehr, denn er sieht nur die Gesamtspannung. Ist eine Zelle schwächer, erreicht sie die 4,2 V früher als die anderen. Sie wird dann überladen, während der Lader noch „nicht voll“ meldet.
Deshalb braucht jeder Pack mit Zellen in Reihe einen Balancer. Er überwacht die Zellen einzeln und gleicht sie an, meist passiv über Widerstände, die eine zu hoch geladene Zelle etwas entladen. Das übernimmt ein Mehrzellenlader mit Balanceranschluss oder ein BMS mit Balancing-Funktion. Ladebausätze für ein bis vier Zellen, wie es sie etwa von ELV gibt, arbeiten nach genau diesem Prinzip. Laut Bauanleitung muss die Ladeschlussspannung dort auf ±1 % genau eingehalten werden.
Bei einem fertigen Pack wie unserem Akkupack 3S2P mit 10,8 V inklusive BMS ist die Schutzschaltung bereits eingebaut. Laden Sie einen solchen Pack trotzdem nur mit einem Ladegerät, das für 3S-Li-Ion ausgelegt ist: 12,6 V Ladeschlussspannung und CC/CV-Profil. Ein Netzteil mit 12 V oder gar 13,8 V aus der Bleiakku-Welt ist kein geeignetes Ladegerät. Worauf es bei der Auswahl ankommt, steht in unserem Ratgeber zum Ladegerät für Lithium-Ionen-Akkus.

Typische Fehler in selbst gebauten Ladeschaltungen
In Foren und Bastelprojekten tauchen immer wieder dieselben Fehler auf. Die meisten erkennen Sie schon am Schaltplan.
- Spannungsregler statt Lader. Ein LM317 oder ein Step-down-Wandler ist auf 4,2 V eingestellt, hat aber keine Strombegrenzung. Bei leerer Zelle fließt dann ein Strom, den nur der Innenwiderstand begrenzt. Ein Labornetzteil mit Strombegrenzung oder ein echter Lade-IC ist Pflicht.
- Keine Abschaltung. Die Spannung wird zwar auf 4,2 V begrenzt, aber die Ladung endet nie. Li-Ion verträgt keine Dauerladung, deshalb gehört das Abschaltkriterium in den Plan.
- Verbraucher hängt während der Ladung am Akku. Der Lade-IC misst dann Akku- und Laststrom zusammen und erkennt das Ladeende nicht zuverlässig. Besser ist eine Lastweiche (Load Sharing) oder ein Lade-IC mit Power-Path-Funktion.
- Tiefentladene Zelle mit vollem Strom laden. Eine Zelle, die wochenlang unter 2,5 V lag, kann innerlich geschädigt sein. Gute Lader beginnen mit einer Vorladung und brechen nach einer Zeitgrenze ab. Steigt die Spannung nach der Vorladung nicht an oder wird die Zelle warm: Finger weg.
- Zu kleine Schutz-MOSFETs. Bei Lasten über wenigen Ampere werden die Transistoren auf Billigmodulen heiß. Treiben Sie den Dauerstrom nicht über den Wert im Datenblatt des Moduls.
- Dünne Leitungen und schlechte Kontakte. Der Spannungsabfall auf der Leitung täuscht dem Lader eine niedrigere Zellspannung vor, er lädt dann länger. Nutzen Sie kurze, ausreichend dicke Leitungen und feste Kontakte.
- Kein NTC. Laden bei Frost schädigt Li-Ion-Zellen, Laden in praller Sonne ebenso. Ohne Temperaturfühler merkt die Schaltung davon nichts.
Wird Ihr Akku trotz korrekter Schaltung nicht voll, flackern die LEDs oder meldet das Modul sofort „voll“? Dann hilft unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Lösen von Akku-Ladeproblemen bei der Ursachensuche.
Wann Sie einen Akku nicht mehr laden dürfen
Bei aller Technik gibt es einen Punkt, an dem kein Schaltplan mehr hilft. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA weist in ihren Hintergrundinformationen zu Lithiumbatterien darauf hin, dass beschädigte Zellen thermisch durchgehen können. Dabei entstehen Flammen und giftige Gase. Ein aufgeblähter Akku ist kein Ladefehler, den man mit dem richtigen Lader behebt. Er ist ein Zeichen für eine innere Schädigung.
Konkret heißt das für Sie:
- Akku gewölbt, Folie gespannt, Gehäuse aufgedrückt? Nicht laden, nicht anstechen, nicht zusammendrücken. Legen Sie ihn auf eine nicht brennbare Unterlage, etwa einen Steinboden oder eine Metallwanne, fern von brennbarem Material.
- Zelle wird beim Laden spürbar heiß, riecht süßlich oder zischt? Trennen Sie die Versorgung, ohne die Zelle anzufassen, bringen Sie sie wenn möglich ins Freie und halten Sie Abstand. Bei Rauch oder Flammen rufen Sie die Feuerwehr unter 112.
- Entsorgung: Defekte Lithium-Akkus gehören nie in den Hausmüll, sondern zur Sammelstelle im Handel oder auf den Wertstoffhof. Kleben Sie die Pole vorher mit Klebeband ab.
- Knopfzellen in Haushalten mit Kindern: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Kinder nach dem Verschlucken einer Knopfzelle sofort in eine Kinderklinik oder Notaufnahme zu bringen. Lose Zellen auf dem Basteltisch gehören deshalb immer außer Reichweite von Kindern.
Auch der Ort, an dem Sie laden, spielt eine Rolle: Laden Sie Selbstbauten nur unter Aufsicht, nicht über Nacht und nicht auf Polstermöbeln oder Teppich. Ein Rauchmelder im Bastelraum kostet wenig und kann viel retten.
Unsere Sicht: lieber fertig schützen als selbst riskieren
Wir verkaufen Akkus, Ladegeräte und Zubehör an Kundinnen und Kunden in ganz Europa, vom Bastler mit seiner ersten 18650-Zelle bis zu allen, die einen Ersatzakku für ihr Gerät brauchen. Aus dieser Sicht ist die Sache klar: Einen Ladeschaltplan zu verstehen ist wertvoll. Dann wissen Sie, was in Ihrem Ladegerät passiert und warum ein billiges Netzteil keine Ladeelektronik ist. Den Lader selbst aus Einzelteilen aufzubauen lohnt sich dagegen nur, wenn Sie dabei etwas lernen wollen.
Für den Alltag raten wir zu drei Dingen. Erstens: Nutzen Sie für einzelne Zellen ein Lademodul mit eingebauter Schutzschaltung und passen Sie den Ladestrom an die Zelle an. Zweitens: Arbeiten Sie bei Packs mit Zellen in Reihe nie ohne BMS und Balancing, und stimmen Sie das Ladegerät genau auf die Zellzahl ab. Drittens: Messen Sie Zellen vor dem Einbau und notieren Sie die Werte. Ein einfaches Testgerät zeigt Ihnen, ob eine gebrauchte Zelle noch die erwartete Kapazität bringt, bevor sie in einem Pack die anderen Zellen ausbremst.
Und wenn ein Akku sich wölbt oder heiß wird, rettet ihn keine Schaltung mehr. Dann ist ein neuer Akku die einzig vernünftige Lösung.
— Waldemar
Passende Akkus und Testgeräte bei Akkuplus
Wenn Sie Ihre Ladeschaltung aufbauen oder einen Pack prüfen wollen, finden Sie bei uns das passende Material. Dazu gehören Akku- und Batterietestgeräte, mit denen Sie Spannung und Zustand Ihrer Zellen prüfen, einfache Batteriehalter für Versuchsaufbauten ohne Löten und fertige Akkupacks mit eingebautem BMS. Unser gesamtes Sortiment an Akkus, Batterien und Ladegeräten finden Sie auf akkuplus.de.
Häufige Fragen
Kann ich einen Li-Ion-Akku mit einem normalen 5-V-Netzteil laden?
Nicht direkt. Ein 5-V-Netzteil liefert zu viel Spannung und begrenzt den Strom nicht passend. Dazwischen brauchen Sie immer einen Lade-IC oder ein Lademodul, das das CC/CV-Profil umsetzt und bei 4,2 V abschaltet.
Reicht ein BMS zum Laden aus?
Nein. Ein BMS überwacht Grenzwerte und trennt im Fehlerfall, es regelt aber nicht den Ladestrom. Für die eigentliche Ladung brauchen Sie ein passendes Ladegerät mit der richtigen Ladeschlussspannung für Ihre Zellzahl.
Mit welchem Strom sollte ich eine 18650-Zelle laden?
Maßgeblich ist das Datenblatt der Zelle. Als schonender Richtwert gelten etwa 0,5 C, bei einer 2500-mAh-Zelle also rund 1,25 A. Kleinere Ströme verlängern die Ladezeit, schonen aber die Zelle.
Was tun, wenn die Zelle unter 2,5 V gefallen ist?
Eine tiefentladene Zelle sollte nur mit kleinem Vorladestrom angehoben werden, wie es gute Lade-ICs automatisch tun. Steigt die Spannung nicht zügig an, wird die Zelle warm oder fällt die Spannung kurz danach wieder ab, ist sie innerlich geschädigt und gehört in die Sammelstelle.
Kann ich mehrere TP4056-Module für einen 3S-Pack verwenden?
An einem gemeinsamen Netzteil nicht, weil die Massen der Module verbunden wären und Zellen kurzgeschlossen werden könnten. Für Reihenschaltungen brauchen Sie einen Mehrzellenlader mit Balancing oder ein Ladegerät für die passende Packspannung zusammen mit einem BMS.
Quellen
- Elektronikpraxis: Lädt Li-Ionen-Akkus mit Konstantstrom und Konstantspannung
- Elektronikpraxis: Lithium-Ionen-Akkus – Grundlagen und Design
- Elektronikpraxis: Auswahl von Lade- und Schutzschaltungen für Lithium-Ionen-Akkumulatoren
- mikrocontroller.net: Manuelles Laden von Lithium-Ionen-Akkus (PDF)
- cool-web.de: Schaltungen und Module für 18650-Li-Ion-Akkus
- Fingers elektrische Welt: Selbstgebaute Li-Ion-Akkus sowie Überwachung
- elektro.turanis.de: TP4056 LiPo-Lademodul
- GSG-Elektronik: Lithium-Lader
- IEC 60335-2-29: Anforderungen an Batterieladegeräte
- batteriegesetz.de: Die neue EU-Batterieverordnung 2023
- EASA: Background Information Lithium Batteries (PDF)
- BfR: Fragen und Antworten zu Knopfzellen
Empfehlungen
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